Reise Uganda April 2018

Wiedersehen in Uganda nach 10 Jahren

„Die Freude, alles noch einmal wiederzusehen war für mich persönlich ein großes Erlebnis und auch die Gewissheit, dass wir von Menschenbrücke e.V. mit den Geldern unserer Mitglieder und Spender alles richtig gemacht haben.“ Mit diesen bewegten Worten fasst Josefine Freibeuter, Vorsitzende des Vereins Menschenbrücke e.V., ihre Eindrücke nach einer 10tägigen Reise durch Uganda zusammen.
Am Ostermontag hatte sie gemeinsam mit Birgit Heeb und Eduard Hennes, zwei Mitgliedern des Vereins, die lange Reise nach Afrika angetreten. Am Flughafen in Entebbe wurde den „Muzungus“ (afrikanische Bezeichnung für Menschen mit weißer Hautfarbe) von Pfarrer Musoke Genza und Pfarrer Henry Ssebwana ein herzlicher Empfang bereitet. Beide sorgen mit ihrem außergewöhnlichen Engagement am „anderen Ende der Brücke“ mit ihrem Verein MEMA, Menschenbrücke Masaka, dafür, dass die Spendengelder aus Deutschland an den Orten und in den Projekten eingesetzt werden, wo die Not der Menschen am größten ist. Beide haben sich für den gesamten Aufenthalt ihrer Gäste aus Deutschland die Zeit genommen, um mit ihnen nicht nur gemeinsam die verschiedenen Projekte zu besichtigen, die durch Menschenbrücke realisiert werden konnten, sondern auch, um sie mit den Menschen in Uganda in Kontakt zu bringen.
„Alles, was von unseren Spenden im Laufe der vergangenen 10 Jahre gebaut und angeschafft wurde, haben wir begutachtet, und wir waren glücklich und erstaunt, wie hilfreich und zweckmäßig diese Projekte sind“, sagt Josefine Freibeuter. Beispiele hierfür sind z.B. der Bau einer Pumpe für das Priesterseminar in Bukalasa, die Reparatur eines Kirchendachs, die Erneuerung des Fußbodens in der Bwaala Schule.
Das mit Abstand größte Bauprojekt wurde jedoch mit dem Bau der Aloysius Schule in Buyinja Kyengerere errichtet. Hier gab es vor fünf Jahren noch keine Schule, die Kinder aus der Region mussten jeden Tag viele Kilometer unter schwierigsten Bedingungen – barfuß, bei sengender Hitze oder starkem Regen – zurücklegen, um die Schulen in den Nachbardörfern zu erreichen.
Diese Schule liegt uns, entsprechend unseres Auftrags „Hilfe zur Selbsthilfe“ besonders am Herzen. Denn die Menschen in Uganda sind zwar sehr fleißig, aber nicht ausreichend gebildet. Das Schulsystem ist mangelhaft und es gibt keine Fördermöglichkeiten. Alle Kinder zeigen einen großen Hunger nach Wissen und die Lernbereitschaft ist enorm. Leider ist das Schulgeld für viele kinderreiche Familien nicht aufzubringen. Bildung ist jedoch der Grundpfeiler von allem! Ausbildung, Beruf, Gesundheit und Wohlstand.“
Mit dem Bau eines Kindergartens hat Menschenbrücke e.V. seinerzeit begonnen, es folgten drei Schulgebäude, in denen heute 508 Kinder unterrichtet werden. Hinzu kamen ein Lehrerhaus, eine Küche sowie Schlafsäle für Jungen und Mädchen, ausgestattet mit Betten, Matratzen und Decken sowie einer Solaranlage auf dem Dach der Gebäude.
Im Rahmen eines großen Festes mit Trommeln, Tanz und Gesang wurde die Aloysius Schule am 07. April 2018 offiziell eröffnet. Gerade rechtzeitig wurde an diesem Tag auch das neue Spielgerät aufgebaut, das Schulleiterin Grace Nalwadda von den Spenden unserer Kindergärten St. Andreas in Norf, St. Michael in Derikum und St. Peter in Rosellen angeschafft hat. Ein großartiger Tag nicht nur für die Schüler, Lehrer und Eltern, sondern auch für uns, als die Tafel mit der Aufschrift „Gebaut von Menschenbrücke e.V. aus dem Rhein Kreis Neuss“ enthüllt wurde. Der anschließende Dankgottesdienst in afrikanischer Tradition – fröhlich, bunt und lebendig – bildete den wunderbaren Abschluss dieses ereignisreichen Tages.
Während der Reise durch Uganda haben wir nahezu alle Menschen besucht, die durch Menschenbrücke e.V. unterstützt werden. Für alle gab es ein kleines Geldgeschenk und Grundnahrungsmittel wie Reis, Mehl, Zucker und Salz. Dies war möglich durch die vielen Geldspenden, die Josefine Freibeuter sowohl vom Verein, als auch von vielen privaten und anonymen Spendern für die Reise erhalten hat. Ein ganz herzliches Dankeschön an dieser Stelle für diese Unterstützung.
Wir konnten uns auf der Reise auch davon überzeugen, dass alle, die wir auf dem Weg in die Selbständigkeit unterstützt haben, erfolgreich ihren Weg gehen. Josephine mit ihrer Nähmaschine, Justine mit ihrer Trockenhaube, Tadeo mit seinem Werkzeugkasten, um nur einige Beispiele zu nennen.
Uganda trägt seinen Namen „die Perle Afrikas“ absolut zu Recht. Eine reiche Vegetation, Gemüse und Obst in großer Vielfalt ernähren die Menschen. Sie bauen dies in ihren eigenen Gärten an und sichern so ihre Grundversorgung. Wenn es mal wieder nur eine Mahlzeit aus Bananen gibt, ist das ganz normal und keiner jammert. In kleinen einfachen Hütten, manchmal ohne Fenster und Türen und mit einem einfachen Lehmboden, leben die Menschen oftmals einsam im Busch, abgeschieden von der Welt. Aber immer gemeinsam mit ihren Familien. Viele Waisenkinder, deren Eltern an AIDS verstorben sind, leben bei ihren Großeltern, Onkeln und Tanten – in Verhältnissen, die für viele Menschen in Deutschland unvorstellbar sind. Aber sie sind füreinander da, helfen und unterstützen sich, reden miteinander und nehmen sich Zeit für den anderen.
Beim Besuch einer alten Frau mitten im Busch hatte Josefine Freibeuter ein ganz besonderes Erlebnis. Ein erst zwei Tage altes Mädchen wurde ihr in den Arm gelegt mit dem Hinweis, dass die Kleine noch keinen Namen hat. Schnell war klar, dass dieser nur „Josephine“ sein kann – natürlich verbunden mit der Übernahme der Patenschaft für dieses kleine Wesen.
Menschenbrücke e.V. hat vieles geschaffen in diesem fremden Land und wir sind stolz darauf. Was bleibt zu tun in der nächsten Zeit?
Das nächste Projekt ist der Bau eines Schlafsaals für die Jungen in der Kizito Schule in Luvule, wo Pfarrer Musoke Genza seinen Wirkungskreis hat. Derzeit müssen zwei Unterrichtsräume für die Unterbringung der Kinder aus weit entlegenen Orten als Schlafsaal dienen, diese werden jedoch dringend für die Durchführung des Unterrichts benötigt.
Weiterhin muss die Aloysius-Schule durch einen Zaun abgesichert werden zum Schutz der Kinder und zur Abwehr von Einbruch und Diebstahl.
Ein weiteres großes Thema ist die Anschaffung von Moskitonetzen für die Schlafsäle, bedenkt man, dass in Uganda mehr Menschen an Malaria, als an AIDS sterben. Einen kleinen Beitrag zur Lösung dieses Problems konnten wir direkt vor Ort anlässlich der Schuleinweihung leisten durch eine Spende von 200 € von Birgit Heeb und Eduard Hennes, für die nun 50 Netze angeschafft werden können.
In der Blinden- und Gehörlosenschule in Bwanda wünschen sich die Kinder Kuscheltiere, so wie seinerzeit in der Aloysius Schule. Diese wurden seinerzeit von Freunden der Menschenbrücke gespendet, ein erneuter Aufruf in den Kirchen und Kindergärten lässt uns hoffen, dass auch dieses Mal viele Stofftiere den Weg nach Afrika finden.
Leider will es uns derzeit nicht gelingen, 30 bereitgestellte Laptops nach Uganda zu schicken, da es kaum Transportmöglichkeiten gibt. Sollte jemand hierzu eine Anregung haben, nehmen wir diese gerne entgegen.
Zusammenfassen war es für uns eine wunderbare Zeit. Es war schön, zu sehen, was Menschenbrücke e.V. mit seinen Mitgliedern, Freunden und Spendern geschaffen hat. Ebenfalls hat es gut getan, zu sehen, wie engagiert unsere Freunde in Uganda mitwirken, welche guten Dinge angeschafft wurden und die Gewissheit zu haben, dass unser Geld ohne jeden Verwaltungsaufwand über MISEREOR direkt an „das andere Ende der Brücke“, MEMA in Uganda, weitergeleitet wird.