Ungekürzte Interviews vom Pfarrbrief Dezember 2017

Was ist der Hintergrund, warum  Menschen sich ehrenamtlich für Bedürftige einzusetzen? Was motiviert sie dazu ihre Freizeit zu opfern, zu spenden und ihre Arbeitskraft in Vereine einzubringen? Der Gedanke, die Leute in einem Interview selbst zu befragen, wurde in die Tat umgesetzt. Mit diesen interessanten Aussagen hat niemand von uns gerechnet:

Interview mit Pfarrer Musoke Genza – Uganda, bei seinem Besuch in Norf am 26.8.2017: 

G.E.: Warum bis Du Priester geworden?

Musoke:  Ich bin in eine Familie geboren, war mit viel Armut. Waren 10 Kinder, haben viel gebetet. Mein Wunsch war immer Priester werden, Gottes Dienst  tun,  in der Kirche bleiben, das gibt Friede in mir.

Und wenn nicht jemand mich mit Geld unterstützt hätte, Christian Holtkamp aus Gronau-Epe, würde ich nicht an Schule gehen können, nicht lernen können. War 1. Klasse im Priesterseminar Bukalasa. Bischof hat organisiert. Hatte selbst keine Ahnung. Familie hatte ihn gebeten, Schüler zu sagen der Hilfe, wie Schulgeld braucht. Hatte Glück.

So bin ich Priester geworden, um auch andere so zu unterstützen. Helfen, Kontakte machen, damit auch andere Kinder und andere Schüler, nicht nur in meiner Familie, die Erfahrung machen.

G.E.: Du gibst Deine Erfahrung der Hilfe also weiter an andere?

Musoke: Ja eine Möglichkeit zu lernen, nicht nur Priester werden. Was ich an Hilfe erfahren habe gebe ich weiter, viel durch Menschenbrücke. Das ist super. Menschenbrücke hat mir auch geholfen, in meinen Priesterberuf weiter, wie ich es von Anfang an gewollt habe. Dankbar.

Gibt viele die in Schule gehen wollen, haben aber keine Möglichkeit. Glaube, der Herr hat mir schon so viel gegeben und geholfen. Ich möchte anderen auch helfen oder Hilfe bringen, auch Kontakte, damit sie weiter einen Weg gehen mit Schule, Studium oder mit Gesundheit weiter gehen. Das hat alles mit meinem Priesterberuf zu tun. Gebet Hilfe.

G.E.: Wie suchst Du die Kinder aus, die unterstützt werden?

Musoke: Wir alle 3, Henry – Grace – und ich arbeiten in und mit Schule zusammen. Henry Bukalasa, Musoke Luvule.

Gehen zur Leiterin, fragen wer Hilfe braucht am nötigsten. Wir drei entscheiden -beraten. Der hat so viel Geschwister, ist aber gut in Schule. Probleme in Schule, mit Familie, manchmal Geld. Oder 8 und mehr Geschwister. Lehrer sagt: hat kein Schulgeld bezahlt, aber guter Schüler.

G.E.: Sind das alles Waisen?

Musoke: Paul und Henry sind Waisenkinder. Mit Jude ist anders gekommen. Vater ist schon lange verstorben. Mutter ist gekommen nach einem Jahr und hat Hilfe gebeten. Er ist so weit gegangen aber kann alleine nicht mehr. Habe ihn dann zwei Jahre selbst unterstützt und danach Menschenbrücke genommen. Viele  kommen zu uns, aber können nicht viel tun, haben kein Geld. Menschenbrücke unterstützt bis Ende und dann können wir einen neuen Schüler nehmen.  Geld nur durch Menschenbrücke oder Privat von hier, geben ihm so Geld.

G.E.: Wie machst Du das alles? Priester – Lehrer – MeMa?

Musoke: Am Anfang alleine, jetzt Henry und Grace helfen. Ca. 10 Schüler jeder ist für einige verantwortlich. Grace für: Daudi, Henry K., Gerald, Doreen; Henry für: Paul, Rita, Maria, Nassauuna, Teresa; Musoke für: Henry, Desiree, Milliam, Harriet.

Rita u Maria von Anfang an dabei.  7 Jahre ist Grundschule, dann sechs Jahre Secundary School, ist zwischen Grundschule und Uni. Daudi gerade letztes Jahr gekommen, jetzt Uni, noch drei Jahre, dann fertig.

G.E.: Wie bekommst Du die ganze Organisation auf die Reihe? Ein Muss?

Musoke: Muss ist anders, aber wenn ich die Möglichkeit habe zu helfen  das nehme ich war. dann arbeite ich mitten in der Nacht. Für meine Gesundheit muss ich nur etwas schlafen.

G.E.: Was gibt Dir persönlich Friede und Glück?

Musoke: Gibt nicht Friede nur einmal auf Erden. Freue mich, wenn ich jemanden auf Lebensweg unterstützen kann. Auch auf Uni. Nicht nur mit Geld.

Viele haben Probleme und Kollegen wollen nicht helfen – Nein geh weg -. Aber ich helfe auch beim Lernen. Aber auch mit Menschenbrücke. Wenn wir Student helfen durchs Leben. Auch wenn ich sterbe, dann habe ich eine Kerze in jemanden entzündet, das gibt mir sehr viel Freude. Mir wurde geholfen, mit Geld Ideen und Kontakte. Und will so auch andere unterstützen.

Dann gehe ich friedlich schlafen beim Herrn.

 

Interview mit Herrn Eduard Hennes, Mitglied im Verein Menschenbrücke seit Januar 2017 und steht seitdem aktiv dem Vorstand zur Seite.

G.E.: Warum bis Du in den Verein Menschenbrücke eingetreten?

Eduard: Bei einer Veranstaltung hat sich mir Frau Josefine Freibeuter vorgestellt und vom Verein Menschenbrücke erzählt. Wir haben festgestellt, dass wir ehemalige Kollegen sind und vor ca. 35 Jahren zusammen in derselben Firma gearbeitet haben.

Josefine Freibeuter kenne ich als kompetente Frau und die Geschichte von Menschenbrücke hat mich angerührt. Dann habe ich mich im Internet weiter kund getan und bin eingetreten.

G.E.: Was bewegt Dich, sich mehr einzubringen und intensiv ehrenamtlich mit zu arbeiten?

Eduard: Ich war immer ein Mensch, den Afrika bewegt. Dort werden die Leute ausgebeutet und unterdrückt. Sie hinken dem Wohlstand hinterher. In Afrika herrscht ein Ungleichgewicht. Das muss wieder in ein ordentliches Gleichgewicht gebracht werden. Dazu gehört auch einander zu achten. Für mich privat ist die Wertschätzung des anderen sehr wichtig. Afrika hat mich ganz besonders berührt. Es sind kleine Dinge, wie ein Euro eines einzelnen, der soviel bewegen kann. Dies muss man den Leuten klar machen.

Schon in der Mitgliederversammlung hat mich berührt, was in wenigen Jahren Menschenbrücke schon geleistet hat. In der Gemeinschaft kann man viel bewegen.

Interviews wurden geführt von Gisela Elsen (Kassiererin des Vereins Menschenbrücke e.V.)

 

Diese tiefgreifenden und emotionalen Hintergründe haben uns sehr erstaunt und bewegt. Dies zeigt uns, dass wir die Menschen erreichen und unsere Arbeit einen tiefen Sinn hat. Mit diesem Hintergrund werden wir weiterhin mit Freude unsere Kraft und Ideen dem Zweck von Menschenbrücke zur Verfügung stellen. Wir hoffen, dass auch Sie angeregt wurden durch Spenden oder Taten Bedürftigen zu helfen. Es braucht nicht viel um etwas Glück und Frieden weiter zu geben. 

 

Vorstand Menschenbrücke e.V.